Sicherheitspolitisches Seminar der
Kreisgruppe Saarland-Süd

Am 20. März 2010 begrüßte der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Saarland-Süd
SU d. R. Thomas Geller im Vereinsheim der RK Hassel über 40 Kameradinnen und Kameraden. Gerne folgten diese der Einladung um der sicherheitspolitischen Betrachtung der Referenten

Dr. Wolfgang Bockhold zum Thema „China - Wiederaufstieg in die Weltmacht“
und
Hptm. d. R. Johannes Niklas zum Thema „EU NAVFOR Somalia – Operation Atalanta“

zu lauschen.

Pünktlich, trotz weiter Anreise aus Friedberg (Bayern), begann Herr Dr. Bockhold sein Referat. Schnell war allen klar, dass unsere Kreisgruppe mit dem Sinologen (Ostasienswissenschaftler) und OLT d. R. einen wahren Asienexperten erworben hat. 

Bockhold war von 1984 bis 1989 und von 2002 bis 2007 als Botschaftsrat an der deutschen Botschaft in Peking tätig. Von 1993 bis 1998 führten ihn seine Aufgaben im auswärtigen Dienst an die deutsche Botschaft in Tokio. Während seiner Tätigkeit im Auswärtigen Amt beobachtete er laufend die Vorgänge im Fernen Osten.

Aus erster Hand wurde uns so ein Einblick in die sicherheitspolitische Rolle und Bedeutung Chinas im 21. Jahrhundert gewährt.

Es gibt viele Analysen zur sicherheitspolitischen Stellung Chinas in der Welt. Sie folgen meist dem klassischen Vorbild einer Gegenüberstellung von Waffensystemen und der Zusammenfassung von Kapazitäten unter Vorgaben der Politik, dabei werden Spekulationen vorgestellt. Wichtig ist daher das Verständnis für China und dem chinesischem Denken, um damit auch chinesische Sicherheitspolitik etwas näher zubringen. Alleine mit westlicher Sicht, sicherheitspolitische Vorstellungen zu diesem Teil der Welt zu entwickeln, birgt die Gefahr einer Fehlbeurteilung der Lage mit allen potenziellen negativen Folgen.

Abgesehen von der unbestrittenen Rolle als Machtfaktor in der Welt gilt China auch in Wirtschaftskreisen, allein schon mit Blick auf das Marktpotenzial, als begehrter Partner. Doch die Verschiedenheiten der Denkweise,

- in der Politik etwa ausgedrückt in der Sicht von Idealen wie Demokratie und
  Menschenrechten,
- im wirtschaftlichen Bereich im Rechtsverständnis, etwa im Vertragsdenken,
- im sicherheitspolitischen Bereich als eine immer stärker sich ins Blickfeld der
  Weltöffentlichkeit rückende Größe im Kräftespiel, nicht nur der asiatischen Region,
  sondern der militärischen Großmächte,

machen es nötig, das Phänomen China etwas genauer zu betrachten.
Diese Denkweise vermittelte uns Dr. Bockhold in seinem gut zweistündigen Vortrag sehr anschaulich mit Erklärungen über:
China als kulturelles Orientierungsideal in Asien
Der Geschichte Chinas und chinesische Selbstbetrachtung
Komponenten von sicherheitspolitischer Relevanz
Militärischer/sicherheitspolitischer Aspekt und wirtschaftlicher Aspekt
Außenpolitische Lage

So wurde uns bewusst wie verschieden doch unsere Kulturen sind und sich die asiatischen Denkens- und Wahrnehmungsweisen von unserer westlichen doch unterscheiden. Auch das die Antike, und die Religion des Buddhismus und dessen Denkweise, immer noch einen sehr starken Einfluss auf den asiatischen Lebensraum hat.

“Im 21. Jahrhundert wird uns China auf jeden Fall noch viel zu denken geben“ so Dr. Bockhold.

Nach einer kurzen Mittagspause, natürlich nicht ohne eine schmackhafte Stärkung, gingen wir zum 2. Teil des Seminars über.

Geplant war ein Vortrag von OLT z. S. Enrico Busse aus dem Flottenkommando des Einsatzstabes. Er wollte uns zum Thema „Operation Enduring Freedom und Atalanta“ über seine Erfahrungen als Boarding Offizier am Horn von Afrika berichten. Leider ereilte ihn 3 Tage vor Seminarbeginn der Marschbefehl nach Virginia, zur Voreinweisung einer weiteren Atalanta Operation.  

Würdig wurde dieser jedoch, wenn auch sehr kurzfristig, von unserem Landesvorsitzenden Hptm. d. R. Johannes Niklas, vertreten. So hörten wir ein ebenso interessantes Referat überdie EU NAVFOR Somalia – Operation Atalanta. Hier handelt es sich um eine multinationale Mission der EU zum Schutz der freien Seefahrt und zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika.

Somalia ist ein Staat von 637.000km² Fläche und einer Einwohnerzahl von 12.900.000, im äußersten Osten Afrikas, am Horn von Afrika. Es grenzt an den Indischen Ozean im Osten, dessen Golf von Aden und Dschibuti im Norden, Äthiopien im Westen und Kenia im Süden. Somalia entstand 1960 mit dem Zusammenschluss der ehemaligen Kolonien Britisch- sowie Italienisch-Somaliland. Seit fast zwei Jahrzehnten (mit dem Sturz der autoritären Regierung von Siad Barre im Jahr 1991) herrschen in großen Teilen Somalias immer wieder Bürgerkriege. Vor allem nach dem Abzug der Friedensmission der Vereinten Nationen, kurz UNSOM II im Jahre 1995, haben sich diese wieder verstärkt. Bis zur Bildung einer Übergangsregierung im Jahr 2000 gab es in Somalia keine funktionierende Regierung. Die neue Regierung kontrolliert allerdings nur einen Teil Somalias. Bezüglich der Wirtschaftslage zählt Somalia zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Bevölkerung Somalias gehört zu ca. 95 % dem Islam an. Politisch gesehen kontrolliert die radikal-islamische Miliz Al-Shababb, die auch Verbindungen zu Al Kaida hat, weite Teile Somalias und bekämpft weiterhin die Übergangsregierung.

Die Piraterie vor der Küste Somalias bedroht wichtige internationale Schifffahrtsrouten, sowie die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe für Millionen Somalier. Mehrere tausend Seeräuber operieren von der Küste Somalias aus im Indischen Ozean und im Roten Meer. Der Bürgerkrieg in Somalia schafft den rechtlosen Raum, in dem die teilweise gut bewaffneten Milizen operieren und den deren Hintermänner für ihre unsauberen Geschäfte mit Waffen und Munition ausnützen. Da die Übergangsregierung Somalias kaum Mittel und Möglichkeiten hat, um gegen Piraten vorzugehen, tun dies nun die Marinen anderer Staaten im Auftrag der vereinten Nationenim Rahmen der Operation Atalanta. Derzeit beteiligen sich ständig Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, die Niederlande, und Spanien an der Operation. Die deutsche Beteiligung, mit z. Zt. 224 Soldaten und 2 Zivilisten, 1 Fregatte und Seefernaufklärern, erfolgt sei dem 22. Dezember 2008 durch Beschluss des Bundestags vom 19. Dezember 2008.

Abschließend hörten wir noch einen Bericht über den versuchten Überfall auf den Tanker „Spessart“ unserer Bundesmarine. Am 30. März 2009 wurde in der Funkzentrale eine Eilmeldung abgesetzt: „Piraten-Angriff auf die Spessart“. Somalische Piraten versuchten im Golf von Aden ein Schiff der Bundesmarine anzugreifen, doch das eingeschiffte Einsatzteam des Tankers „Spessart“ eilte zu den Waffen und feuerte zurück. Dank der schnellen Reaktion und heraneilender Kriegsschiffe der Atalanta-Misson wurde das Piraten-Schnellboot wurde vom Jäger zum Gejagten. Mit spanischer und griechischer Unterstützung nahm man die Verfolgung auf und konnte die Piraten stellen. Die sieben Piraten wurden entwaffnet und an Bord der deutschen Fregatte „Rheinland-Pfalz“ gebracht. Die auf dem Piratenboot befindlichen Waffen und Munition wurden sichergestellt.

Als Anerkennung für die hervorragenden Vorträge wurde beiden Referenten die Ehrentafel der Kreisgruppe SL Süd durch SU d. R. Thomas Geller und 1 Flasche Rotwein „Legion de Etrangére“ durch den 1. Vorsitzenden der RK-Hassel SF d. R. Alfred Höllisch überreicht.

So ging ein interessanter und vor allem informativer Samstag, noch in kameradschaftlicher Runde, dem Ende zu.

Bericht: M. Theobald/J. Niklas